Eucharistiefeier

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Eröffnung Wortgottesdienst Eucharistiefeier Entlassung



Mit der Gabenbereitung beginnt der zweite Hauptteil der Feier. In seinem Zentrum stehen das Eucharistische Hochgebet und die Kommunion, während die Gabenbereitung selbst vorbereitenden Charakter hat.

 

Herbeibringen der Gaben

In der Kirche der Spätantike brachten die Gläubigen verschiedenste Gaben zum Gottesdienst mit, die für karitative Aufgaben, besonders die Armenspeisung, verwendet wurden. Brot und Wein wurden aus diesen Gaben für die Eucharistiefeier ausgesondert und in einer Prozession zum Altar gebracht. Spätestens seit dem Hochmittelalter verwendet die römische Liturgie nur noch ungesäuertes Brot, das ansonsten nicht der täglichen Ernährung dient, und wählt zudem die Form der nicht mehr zu teilenden Einzelhostie. Vom Gabengang ist heute in unserem Kulturkreis nur noch eine Geldkollekte erhalten, die oftmals den Notleidenden zugute kommt. Wird sie zusammen mit Brot und Wein in einer Prozession zum Altar gebracht, so wird sichtbar, daß wir selbst uns in die Bewegung der Darbringung Christi an den Vater einbringen wollen.

 

Zurüstung des Altares

Im zweiten Hauptteil ist der Altar der Ort der Feier. Entsprechend wird er für die Eucharistie zugerüstet.

 

Gabenbereitung

Über Brot und Wein werden nach Art des jüdischen Tischsegens kurze Segensgebete (berakot) gesprochen. Brot und Wein sind zugleich Schöpfungsgaben und Frucht menschlicher Arbeit. Wir bringen sie vor Gott, um sie in der Kommunion gewandelt zurückzuerhalten.

 

Gabengebet

Das Gabengebet schließt die Gabenbereitung ab. Es bringt noch einmal die Hingabe der Gemeinde zum Ausdruck sowie ihre Bitte, unter der Gestalt von Brot und Wein in der Kommunion den Leib und das Blut Christi empfangen zu dürfen.

 

Das Eucharistische Hochgebet

Während die römische Tradition lange Zeit nur den nun als erstes Eucharistisches Hochgebet verwendeten Canon Romanus kannte, kann heute aus mehreren Eucharistiegebeten ausgewählt werden. Die östlichen „Liturgiefamilien“ besaßen eine Vielzahl dieser Gebete, reservierten bestimmte Formulare aber für konkrete Tage und Zeiten. Immer ist das Hochgebet das zentrale Gebet der Feier, während die zentrale Handlung die daraus resultierende Kommunion darstellt. Immer umfaßt das Gebet eine große Danksagung an Gott, den Vater, der sich in Schöpfung und Heilsgeschichte, besonders aber in seinem Sohn Jesus Christus, den Menschen offenbart hat. Das Eucharistische Hochgebet beginnt mit dem Dialog am Anfang der Präfation und endet mit der Schlußdoxologie.

 

Präfation

Am Beginn steht ein dreifacher Wechselruf zwischen Gemeinde und Vorsteher. Dieser Dialog verdeutlicht, daß der Vorsteher die Danksagung im Namen und mit der ganzen Gemeinde gemeinsam vollzieht. Zentral ist der Ruf Erhebet die Herzen – Wir haben sie beim Herrn, der die Gewißheit der konkret hier und jetzt versammelten Gemeinde ausdrückt, daß sie durch die Gnade des Heiligen Geistes an der himmlischen Liturgie des Lobpreises und der Danksagung Gottes teilnehmen darf, ja gleichsam in die Gegenwart Gottes erhoben wird.
Im folgenden, in der römischen Liturgie Präfation genannten und nach dem Kirchenjahr wechselnden Abschnitt werden konkrete Motive genannt, warum wir Gott preisen und ihm danken. Hier wird oftmals auf das konkrete Festgeheimnis Bezug genommen. Die Präfation endet mit der Einladung, in den Gesang der himmlischen Chöre einzustimmen.

 

Sanctus

Der dreifache Heiligruf ist biblisch in den Himmelsvisionen des Jesaja (Jes 6, 3) und der Offenbarung (Offb 4, 8) belegt. Beide Male sind es die Engel, die vor Gottes Thron die Heiligkeit Gottes preisen. Im Eucharistischen Hochgebet ist dieser Ruf in eine direkte Anrede Gottes umformuliert und mit dem Benedictus verbunden, dem Ruf des Volkes beim Einzug Jesu in Jerusalem (Mt 21, 9), der wiederum einen Anruf Gottes aus Ps 118, 25 f. zitiert. Die Gemeinde stimmt in den Ruf der Engel ein und lenkt mit dem Benedictus zugleich den Blick auf die erwartete sakramentale Gegenwart Christi unter Brot und Wein.

 

Hochgebet

Nach dem Sanctus folgt in vielen Hochgebeten ein längerer Abschnitt, in dem des Heilshandelns Gottes in der Geschichte der Menschen gedacht wird. Es geht nicht allein um ein Erinnern vergangener Ereignisse, sondern um Vergegenwärtigung (griechisch: Anamnese) des auch für uns heute relevanten Heilshandelns Gottes, das in Leben, Sterben und Auferweckung Jesu Christi seinen Höhepunkt hat. Bevor das Hochgebet im Einsetzungsbericht des Stiftungsereignisses der Eucharistie gedenkt, kennt die römische Liturgie eine Epiklese (griechisch für: „Herabrufung“), in der wir um die Heiligung von Brot und Wein bitten. Dabei streckt der Vorsteher die Hände über die Gaben aus und segnet sie mit dem Kreuzzeichen. Worte und Geste machen deutlich, daß die Verwandlung der Gaben allein in der Kraft des Heiligen Geistes geschieht und von uns nur erbeten werden kann. Im zweiten Hochgebet lautet die Epiklese:

Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib † und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.

Dann folgt der Einsetzungsbericht mit den zentralen Deuteworten Jesu Christi beim Letzten Abendmahl. Es handelt sich um einen Mischtext aus den vier neutestamentlichen Überlieferungen, der grammatisch in das Gebet integriert ist. Jesu eigene Worte stellen den Grund dar, warum wir auch hier und jetzt seine wirkliche Gegenwart erbitten und erhoffen dürfen. Im zweiten Hochgebet heißt es:

Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach: Nehmet und trinket alle daraus: Das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Die ganze Gemeinde stimmt nun mit einer Akklamation in das Hochgebet ein, indem sie den gegenwärtigen Christus anruft und seinen Tod, seine Auferstehung und die Erwartung seiner Wiederkunft bekennt (vgl. 1 Kor 11, 26):

P / D: Geheimnis des Glaubens.
G: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

Zugleich gibt dieser Ruf den heilsgeschichtlichen Ort jeder Eucharistiefeier an: Sie ist regelmäßige Feier der Christinnen und Christen auf dem Weg der Kirche, der in Tod und Auferstehung Christi gründet und sein Ziel in der Vollendung des Reiches Gottes haben wird. Die Eucharistie schenkt sakramentale Gegenwart Christi im Leben jedes Christen wie der Kirche als ganzer – ein Leben, das als zwischen den beiden Polen Kreuzigung und Wiederkunft ausgespannt verstanden wird.
Der nun folgende Abschnitt entfaltet das in der Akklamation der Gemeinde Gesagte und knüpft zugleich an den Gedächtnisbefehl Jesu am Ende der Einsetzungsworte an. Er stellt heraus, daß wir genau das tun, was Jesus uns zu feiern aufgetragen hat. Im zweiten Hochgebet heißt es:

Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar. Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen. Wir bitten dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und laß uns eins werden durch den Heiligen Geist.

Diese zweite Epiklese ist zwingend mit der ersten vor dem Einsetzungsbericht zusammen zu sehen: Das Ziel der Feier ist nicht bereits mit der leiblichen Gegenwart Christi unter Brot und Wein erreicht, sondern das eigentliche Ziel der Feier ist die Kommunion, durch die wir selbst „gewandelt“ werden. Erst wenn alle Anteil an Christi Leib und Blut erhalten, begegnet nicht nur jeder und jede Christus selbst in innigster Weise, sondern werden wir alle zu einem geistlichen Leib mit Christus verbunden. Die durch die Eucharistie geschenkte Gemeinschaft mit Christus hat nie allein eine individuelle Dimension, sondern bedarf immer der Entfaltung in der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche. Genau diese Entfaltung in der Gemeinschaft der Kirche erbitten die nachfolgenden Abschnitte, die die Lebenden, die Verstorbenen wie alle Heiligen in die erbetene Gemeinschaft der Kirche einbeziehen.

Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde und vollende dein Volk in der Liebe, vereint mit unserem Papst N., unserem Bischof N. und allen Bischöfen, unseren Priestern und Diakonen und mit allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind.

Gedenke (aller) unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind in der Hoffnung, daß sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht.

Vater, erbarme dich über uns alle, damit uns das ewige Leben zuteil wird in der Gemeinschaft mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit deinen Aposteln und mit allen, die bei dir Gnade gefunden haben von Anbeginn der Welt, daß wir dich loben und preisen durch deinen Sohn Jesus Christus.

Mit der Doxologie, dem Lobpreis der Herrlichkeit Gottes (griechisch: doxa = Herrlichkeit) wird das Hochgebet abgeschlossen. Bereits nach jüdischem Brauch muß jedes Gebet, auch das Bittgebet, nicht nur vom Lobpreis ausgehen, sondern ebenso in ihn münden:

Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Durch das Amen (hebräisch: so sei es) am Schluß setzt die Gemeinde gleichsam ihre Unterschrift unter das Gebet und macht es sich zu eigen. Da das Eucharistiegebet in der Antike vom Vorsteher nicht abgelesen, sondern frei formuliert wurde, war ein solcher Akt der Ratifizierung notwendig. Aber auch heute bringen wir mit dem Amen zum Ausdruck, daß wir das Gebet zu unserem machen und die sich aus ihm ergebende Verpflichtung zum Leben in der Zeugenschaft Christi ernst nehmen.

 

Kommunion

Das eucharistische Mahl bildet die zentrale Handlung der Eucharistiefeier. Viele biblische Gleichnisse vom großen Festmahl und Erzählungen von den Mahlzeiten Jesu mit seinen Jüngern prägen unsere Vorstellung von diesem Geschehen. Das gemeinsame Essen und Trinken ist schon auf einer rein menschlichen Ebene eine tiefgehende Form, untereinander Gemeinschaft zu erfahren und zu bestärken. Um so mehr gilt dies für ein Mahl, das für die Getauften die intensivste Form der Begegnung mit Christus und untereinander darstellt. Anders als in der frühen Kirche findet das eucharistische Mahl nicht mehr im Kontext eines Sättigungsmahles statt, sondern ist wegen seines sakramentalen Charakters herausgehoben.

 

Vaterunser

Das Vaterunser ist das Gebet, das Jesus selbst seine Jüngerinnen und Jünger gelehrt hat. Es eignet sich als vorbereitendes Gebet vor der Kommunion aufgrund der Brotbitte. Außerdem bitten wir noch einmal Gott um Vergebung, um das Mahl in würdiger Weise gemeinsam begehen zu können.

 

Friedensgebet und Friedensgruß

Diese Versöhnung muß entsprechend dem Wort Jesu, daß wir uns zuerst untereinander versöhnen sollen, bevor wir die Opfergabe zum Altar bringen (Mt 5, 23–24), nicht nur eine Versöhnung mit Gott, sondern auch untereinander sein. Dazu dienen das Friedensgebet und der Friedensgruß, der entsprechend der jeweiligen Kultur mit einer Geste verbunden sein kann.

 

Brotbrechung und Agnus Dei

Das Brotbrechen gehört nicht nur konstitutiv zum jüdischen Festmahl, wie Jesus es mit seinen Jüngern hielt, sondern es ist auch Erkennungszeichen für den auferstandenen Herrn (vgl. die Emmausgeschichte in Lk 24, 30–35). Da auch in der Eucharistiefeier zunächst richtiges Brot verwendet wurde, mußte dieses in Stücke gebrochen werden. Mit dem aus der östlichen Liturgie stammenden Agnus Dei wird dieser Vorgang als Zeichen der Hingabe Jesu gedeutet. Wurde die Brechung seit der Einführung von Hostien nur noch angedeutet, so ermöglicht die heutige Verwendung von großen Brothostien die Erfahrung dieser zur Grundgestalt der Eucharistie gehörenden Handlung, die der ganzen Feier im Neuen Testament sogar als Namen dienen konnte (vgl. Apg 2, 42.46; 20, 7.11). Das Agnus Dei wird so häufig wiederholt, wie die Brechung andauert.

 

Einladung zur Kommunion

Nun werden alle Gläubigen mit den Worten Johannes’ des Täufers Seht das Lamm Gottes ... (Joh 1, 29.36) zum Empfang des Leibes und Blutes Jesu eingeladen. Die Gläubigen drücken mit den Worten des Hauptmanns von Kafarnaum Herr, ich bin nicht würdig ... (Mt 8, 8) aus, wie sehr sie der göttlichen Heilung durch die Eucharistie bedürfen.

 

Kommunionspendung

Empfingen Christinnen und Christen im Abendland über Jahrhunderte nur sehr selten (höchstens viermal jährlich) die Kommunion, so sind wir heute regelmäßig aufgerufen, Christus unter den sakramentalen Gestalten zu empfangen. Als Spendeworte dienen heute Der Leib Christi und Das Blut Christi. Wir beantworten sie mit einem kurzen Amen und bekennen so Christi reale Gegenwart. Wir werden hineingenommen in Tod und Auferstehung Jesu Christi, um in unserem Glauben gestärkt und erneuert zu werden.
War im ersten Jahrtausend der Kommunionempfang unter beiden Gestalten üblich, so beschränkte sich der Westen im Laufe der Geschichte aus Ehrfurcht immer mehr auf den alleinigen Empfang des Leibes Christi. Heute sind die Möglichkeiten wesentlich erweitert, auch die häufige Kelchkommunion der Gläubigen zu praktizieren, um so zu einer umfassenden und stiftungsgemäßen Gestalt der Kommunion zu gelangen.
Wie alle Prozessionen, so wird auch der Kommuniongang von Gesang begleitet. Bei der Verwendung von Kirchenliedern bildet oftmals die Kommunion selbst das Thema des Gesangs. In der Communio-Antiphon der Gregorianik, die im Kommunionvers fortbesteht, wird in der Regel ein Kernsatz des Tagesevangeliums gewählt – oftmals sogar ein Herrenwort. So wird der Empfang der Eucharistie durch den Rückbezug auf das Evangelium interpretiert – werden Wortkommunion und eucharistische Kommunion miteinander verknüpft.

 

Schlußgebet

Wie andere Abschnitte der Feier wird auch die Eucharistiefeier mit einem knappen Gebet abgeschlossen. Da aber das Hochgebet das zentrale Gebet dieses Abschnittes ist, dankt das Schlußgebet vielfach nur kurz für den Empfang des Leibes und Blutes Christi und bittet darum, daß die hingebende Liebe Jesu auch im Alltag der Gemeinde Wirklichkeit wird und entsprechende Frucht bringt.