Aktuelles

Auf dieser Seite finden Sie neben aktuellen Terminen und Informationen auch Hinweise auf beachtenswerte Publikationen. Weitere Seiten mit Bezug zum laufenden Monat: der Inhalt der aktuellen Ausgabe und ein liturgischer Kalender für das deutsche Sprachgebiet mit einer ganzjährigen Namenstagsübersicht.
 

Gebetsanliegen des Papstes
 

Im Monat Oktober bittet Papst Franziskus in einem außerordentlichen Gebetsaufruf, für die Kirche zu beten.

Gebetsanliegen für Oktober 2018

Wir gedenken der Sendung der Ordensleute und bitten:
Dass sich die Ordensleute wirksam für Arme und Ausgegrenzte einbringen.

Weitere Informationen zum monatlichen Gebetsanliegen sowie geistliche Kurzimpulse für jeden Tag finden Sie auf den Internetseiten des Weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes.

Monatlich wird vom Vatikan ein zentrales Gebetsanliegen veröffentlicht, das der Heilige Vater allen Glaubenden ans Herz legt. Eine Möglichkeit, sich mit dem Papst im aktuellen Gebet zu verbinden, bietet ferner die Dokumentation von Audienzen und Angelusgebeten auf den Seiten der vatikanischen Informationsdienste – dort lässt sich nachverfolgen, in welchen aktuellen Anliegen Papst Franziskus gebetet hat.

Junges Gottesdienstteam beim Katholikentag in MünsterTeam Quickborn beim Ökumenischen Stundengebet, 101. Deutscher Katholikentag Münster 2018 · © Johannes Bernhard Uphus

Vom 3.–28. Oktober tagt in Rom die Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. Alle Glaubenden sind eingeladen, die Arbeit der Synode mit dem folgenden Gebet zu begleiten.

 

Gebet von Papst Franziskus für die Jugend

Herr Jesus Christus, auf dem Weg zur Synode
richtet deine Kirche ihren Blick auf die Jugendlichen
in der ganzen Welt. Wir bitten dich, lass sie mutig
ihr Leben in die Hand nehmen, nach den schönsten
und sinnvollsten Dingen des Lebens streben
und stets ein freies Herz bewahren.

Hilf ihnen, begleitet und geführt von weisen
und großherzigen Menschen, dem Ruf, den du an
jeden Einzelnen von ihnen richtest, zu folgen,
um ihren Lebensentwurf zu verwirklichen und glücklich
zu werden. Halte ihre Herzen offen für große Träume
und lass sie auf das Wohl ihrer Brüder und Schwestern achten.

Lass auch sie wie den geliebten Jünger am Fuß des Kreuzes stehen,
um deine Mutter als ein Geschenk von dir zu empfangen.
Lass sie Zeugen deiner Auferstehung sein und erkennen,
dass du lebst und an ihrer Seite bist, während sie mit Freude verkünden,
dass du der Herr bist. Amen.

 

 

Termine
 

Am 14. Oktober 2018 kanonisiert Papst Franziskus Paul VI., Maria Katharina Kasper und Oscar Romero
Der Kämpfer gegen Unrecht, die Gründerin der Dernbacher Schwestern und der Konzilspapst werden heiliggesprochen

Der Schuss fiel, als Oscar Romero gerade den Kelch zur Wandlung in der Kapelle des Krankenhauses Divina Providencia („Göttliche Vorsehung“) in San Salvador erhoben hatte. Die Kugel traf den Bischof am Kopf, er stürzte tot zu Boden. Der Kämpfer für Glaube und Gerechtigkeit war ein Opfer der politisch Mächtigen geworden, die sich den unbequemen Bischof vom Hals schaffen wollten. Zuvor hatte Romero in El Salvador die Ungerechtigkeiten und das gewaltsame Vorgehen der Polizei und des Militärs gegen die schwächsten Glieder der Gesellschaft angeprangert. Die Aufklärung des Mordes wurde vertuscht, Augenzeugen entführt. Bei der Beerdigung Romeros forderten Tausende Freiheit und Gerechtigkeit, es kam zu Tumulten. Scharfschützen metzelten etwa 40 Menschen nieder, anschließend brach eine Massenpanik aus, bei der einige Menschen totgetrampelt wurden. Es entzündete sich ein Bürgerkrieg, der rund 75.000 Opfer in El Salvador forderte. Bis heute ist der ermordete Bischof eine Identifikationsfigur im Kampf gegen die Ungerechtigkeit, nicht nur für die Salvadorianer.

Mutter Maria Katharina Kasper, Tochter eines Dernbacher Bauern, gründete im Jahr 1845 mit vier weiteren Frauen einen Verein, um kranke und alte Menschen zu pflegen und Kinder zu betreuen. 1851 ging aus diesem Verein die Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi hervor, die im deutschen Sprachraum als „Dernbacher Schwestern“ bekannt sind. 1868 gingen die ersten Schwestern in die Diözese Fort Wayne in Indiana (USA), um dort eigene Niederlassungen zu gründen. Wenig später entstanden weitere in den Niederlanden, England, Belgien, Böhmen und Luxemburg. Im Jahr 1870 erfolgte die Anerkennung der Gemeinschaft durch den Vatikan. Beim Tode von Katharina Kasper am 2. Februar 1898 zählte der Orden bereits mehr als 1.700 Schwestern in 193 Niederlassungen. Heute bestehen von der Kongregation weltweit noch 87 Niederlassungen, in denen rund 600 Schwestern leben und im Sinn ihrer Gründerin tätig sind.

Mit dem Gedenken an Papst Paul VI. ist vor allem die Vollendung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und der Beginn seiner Umsetzung verbunden; im Konzil hatte die katholische Kirche ihr Verhältnis zur modernen Welt neu bestimmt und wesentliche Reformen beschlossen. Paul VI. wurde als Giovanni Battista Montini bei Brescia geboren und amtierte vor seiner Wahl zum Nachfolger von Johannes XXIII. im Jahr 1963 als Erzbischof von Mailand. Als erster Papst reiste er Anfang 1964 ins Heilige Land und traf in Jerusalem den Ökumenischen Patriarchen Athenagoras, eine Begegnung, die 1965 dazu führte, dass die seit 1054 bestehende gegenseitige Exkommunikation von römisch-katholischer und orthodoxer Kirche aufgehoben wurde. Wegweisend war das Lehrschreiben „Populorum progressio“ zur globalen Entwicklung und wirtschaftsethischen Fragen von 1967. Seine Enzyklika zur Sexualethik „Humanae vitae“ von 1968 bleibt bis heute auch in der kirchlichen Öffentlichkeit umstritten.

Neben Mutter Maria Katharina Kasper, Papst Paul VI. und Erzbischof Romero wird Papst Franziskus am 14. Oktober 2018 in Rom auch eine Ordensgründerin aus Argentinien und zwei italienische Priester heiligsprechen.

Zu Erzbischof Romero bietet das Hilfswerk Misereor Bausteine für einen Gottesdienst an.

 

 

Informationen

 

Bischof Dr. Franz-Josef Bode · © Bistum Osnabrück

Was feiern katholische Christen an Allerheiligen? Ein namenloses Heer von Idealgestalten aus der Vergangenheit? Eine verheißene Seligkeit, die in den alltäglichen Härten des Lebens nicht wirklich hilft, sondern eher auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertröstet?

Lesen Sie in der November-Ausgabe von MAGNIFICAT, wo Bischof Bode aus Osnabrück ansetzt, um Allerheiligen in unser Heute hereinzuholen.

 

Titelbild Läute-Ritual

Zwei neue Handreichungen
Einstieg ins Stundengebet leicht gemacht

Sie kennen Menschen, die sich fürs Stundengebet interessieren oder beten MAGNIFICAT schon in einer Gebetsgruppe? Dann könnten Sie sich für diese neuen Hilfen interessieren:

Vom Ökumenischen Stundengebet e.V. kommt „Mein kleines persönliches Läute-Ritual“. Die praktische Kleinbroschüre passt in jede Tasche und lädt in prägnanter Form dazu ein, beim Gebetsläuten innezuhalten und sich ein kurzes Stundengebet zu gönnen. Ihr anschauliches Konzept eignet sich besonders auch für Menschen, die nach einem geeigneten Zugang zum Stundengebet suchen.

Über „Mein kleines persönliches Läute-Ritual“ können Sie sich auf der Website des Ökumenischen Stundengebets informieren, es als pdf-Datei herunterladen oder beim Verein (solange der Vorrat reicht) als gedrucktes Heftchen bestellen.

Übersicht Morgen- und Abendgebet mit MAGNIFICAT

Übersicht Morgen- und Abendgebet
Mit MAGNIFICAT einfach in der Gruppe beten

Die Redaktion von MAGNIFICAT hat eine Übersicht zum Stundengebet erstellt, mit der die Nutzung von MAGNIFICAT in der Gebetsgruppe erleichtert werden soll. In den vergangenen Jahren tun sich Leserinnen und Leser in wachsender Zahl zusammen, um gemeinsam Stundengebet zu halten. Besonders in Kirchen und Kapellen, in denen nicht mehr regelmäßig Eucharistie gefeiert wird, kann so das geistliche Leben grundlegend gestaltet werden.
Die Übersicht „Morgen- und Abendgebet mit MAGNIFICAT“ zeigt auf einen Blick, wie eine Gebetszeit ablaufen kann. Schon wenn die Hymnen und Psalmen abwechselnd gesprochen und die Lesungen vorgetragen werden, entsteht schon in Kleinstgruppen eine intensive Gebetsatmosphäre. Sie lässt sich z.B. durch das Singen von Liedern oder der Einladung zu freien (Für-)Bitten noch steigern.

Laden Sie sich die Übersicht „Morgen- und Abendgebet mit MAGNIFICAT“ als pdf-Datei herunter oder bestellen Sie sie in A3-Druck über unser Kontaktformular.

 


Gotthard Graubner, ohne Titel, 1983/1984Gotthard Graubner, ohne Titel, 1983/1984, Museum Kunstpalast, Düsseldorf – Stiftung Sammlung Kemp · Foto: Museum Kunstpalast – Stefan Arendt  ARTOTHEK · © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Gotthard Graubner
Mit den Bildern atmen
Meditative Farbdimensionen im arp museum

Sie wirken aus keinem Blickwinkel gleich, scheinen sich im Vorbeigehen zu verändern. Selbst wenn man länger von ein und derselben Stelle darauf schaut, ist es, als wäre Bewegung darin. Die „Farbraumkörper“ Gotthard Graubners (1930–2013) treten aus der zweidimensionalen Fläche hervor. Die Polsterung unter der Oberfläche bewirkt, dass die unterschiedlichen Farben verschieden tief eindringen und einander im Wechselspiel von Lichteinfall und Bewegung der Betrachtenden gegenseitig beeinflussen. Der Künstler selbst hat im Blick auf diese Eigenschaft vom Atmen gesprochen. Seine Farbraumkörper legen nicht auf ein konkretes Motiv oder bestimmte Strukturen fest, eher federn sie Blicke mit ihrer weichen kissenartigen Anmutung ab.
In den lichtdurchfluteten Räumen von Richard Meiers Museumsbau hoch über dem Rhein treffen sie auf eine Umgebung, in der sich eine ungeahnte meditative Kraft entfalten kann. So ist es ganz und gar stimmig, wenn das Museum im Titel „Mit den Bildern atmen“ seine Gäste einlädt, spirituelle Erfahrungen zu machen. Besonders gelungen ist der Brückenschlag zu Graubners Interesse an fernöstlichen Religionen, indem Schwarzweiß-Fotografien von seiner Bhutan-Reise im Jahr 1976 den farbigen Werken zur Seite gestellt werden. Wer sich Zeit nimmt und ruhig atmend der Magie dieses Ensembles überlässt, wird mit bleibenden Eindrücken beschenkt.

arp museum Bahnhof Rolandseck, noch bis 10. Februar 2019

 

Romano Guardini um 1920 Romano Guardini um 1920

100 Jahre „Vom Geist der Liturgie“
Ausstellung zum epochalen Buch von Romano Guardini

1918 war nicht nur in politischer Hinsicht eine Zäsur. Auch für die Erneuerung der Kirche hat es große Bedeutung. Das liegt insbesondere an Romano Guardinis wegweisender Schrift „Vom Geist der Liturgie“. Auf knapp 100 Seiten legte der Mainzer Theologe italienischer Herkunft dar, was Liturgie ist: Versammlung, symbolisches Handeln, heiliges Spiel, an dem alle mitwirken. Das war eine Weichenstellung, deren Tragweite bis heute kaum eingeholt ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Glaubende es auch jetzt noch äußerst schwierig finden, sich einen Zugang zur Liturgie zu erschließen.
In nur vier Jahren erschienen 12 Auflagen, 26.000 Exemplare wurden verkauft. „Vom Geist der Liturgie“ stand am Beginn einer Reihe allgemeinverständlicher Veröffentlichungen über die Liturgie, die Abt Ildefons Herwegen, Maria Laach, als Sammlung Ecclesia Orans („betende Kirche“) herausgegeben hat.

Die Ausstellung wird noch vom 1. bis 28. Oktober 2018 in der Münchner Katholischen Akademie in Bayern gezeigt.

 

 

Medienempfehlungen

 

Unversehrte Kirche inmitten kriegsbeschädigter Häuser

Reportagen der Hoffnung

Wie stark der Glaube Menschen macht, zeigt der Theologe und Journalist Karl-Heinz Fleckenstein in seinen „Glaubensreportagen“. Einige von ihnen hat der in Jerusalem lebende Autor in dem Büchlein „Glaube macht uns stärker“ versammelt. In seinen Geschichten stellt er Menschen vor, die Gott auf eine besondere Weise begegnet sind. Sie beschreiben dabei keine frommen Bekehrungserlebnisse. Es sind im besten Sinne „verstörende“ Geschichten darüber, wie Menschen in extremen Situationen ihres Lebens Gott erfahren haben. Die 16 Lebensbilder haben es in sich. Kein leichtes, aber ein sehr anregendes Buch. Es macht Mut, im eigenen Leben oder in dem anderer Menschen Gott zu erspüren.

Karl-Heinz Fleckenstein, Glaube macht uns stärker. Reportagen, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2018, 128 Seiten, ISBN 978-3-7666-2482-6, 10,00 € (D), 10,30 € (A).

 

Buchtitel, Szene in einem orientalischen Café

Lutz Jäkel, Lamya Kaddor (Hg.),
Syrien – ein Land ohne Krieg
Ein Blick zurück in die Zukunft

Es ist ein Land, ohne das unsere Welt nicht wäre, wie sie ist. Die Kulturen, die es prägen, strahlen seit Jahrtausenden weit über seine Grenzen hinaus. Es beherbergt einige der ältesten Städte überhaupt: Syrien. Seit 2011 tobt dort ein längst unüberschaubar gewordener Krieg, in dem die Interessen verschiedener Welt- und Regionalmächte aufeinander treffen. Nahezu täglich berichten die Medien; die Nachrichten über bewaffnete Konflikte, über Zerstörung nicht nur von Kulturgütern, sondern ganzen Städten, ja Landstrichen, über Gräuel an der Zivilbevölkerung reißen nicht ab. Diesen erschütternden, ja deprimierenden Botschaften etwas entgegen setzen zu wollen, wirkt das nicht sinnfrei, ja zynisch?
Der Fotojournalist Lutz Jäkel und die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sagen: Im Gegenteil. Sie setzen dem längst nicht mehr fassbaren Grauen des Krieges die lebendige Erinnerung an Syrien entgegen, wie sie es vor dem Krieg kannten: farbenprächtig, facettenreich, lebendig. Ein aufwändig ausgestatteter Bildband ist das Ergebnis: Eindrücke aus einem faszinierenden Land, erläutert und kommentiert von 16 Autorinnen und Autoren, die Syrien als Einheimische kennen oder als Ausländer erkundet und lieben gelernt haben.
In fünf Kapiteln – zur Hauptstadt Damaskus und den vier den Himmelsrichtungen entsprechenden Landesteilen – ersteht so das Bild eines Landes, das gegenwärtig im Chaos versunken erscheint. Das aber für viele Ethnien und Religionen Heimat ist und eine Kultur des Zusammenlebens hervorgebracht hat, die ihresgleichen sucht: sunnitische und schiitische Muslime, Jesiden, Juden, Kurden, Alawiten, Christen und Drusen geben Syrien sein Gesicht. Orte wie die Umayyaden-Moschee in Damaskus, eine vormals christliche Basilika, die die für Christen und Muslime gleichermaßen bedeutenden Reliquien Johannes des Täufers bewahrt und in der Angehörige verschiedener Religionen nebeneinander beten, lassen erspüren, was dieses Miteinander ausmacht. Menschen wie der Geschichtenerzähler im Basar, der Badediener im Hamam oder die beiden Schwestern, die in ihrem großen Haus Studierende aus aller Welt beherbergten, verkörpern Syriens Seele, auch der von Islamisten verschleppte italienische Jesuit Paolo Dall’Oglio, der das uralte Kloster Mar Musa wiedergegründet und zum Ort der Begegnung von Muslimen und Christen gemacht hat. Syrien, das mit allen, die darin leben (und denen, die es lieben), auf den Tag wartet, da die Waffen endlich schweigen und ein Neubeginn möglich wird.
Die Autoren haben einen Band geschaffen, der ein Doppeltes leistet. Er vermittelt Reichtum und Größe Syriens jenen, die es nur als ein Kriegsland neben der Ostukraine und dem Südsudan kennen. Vor allem aber bringt er die Hoffnung auf das zum Ausdruck, was einmal wieder erstehen kann. Eine Zukunftsvision, genährt von dem, was Syrien bei und trotz aller Zerstörung bleibt: ein Land kultureller Fülle und vielseitig-dynamischen Miteinanders.

Lutz Jäkel, Lamya Kaddor (Hg.), Syrien. Ein Land ohne Krieg, Malik Verlag im Piper Verlag, München 2017, 200 Seiten, ISBN 978-3-89029-493-3, 45 € (D), 46,20 (A)

 

Buchvorderseite "Morgen- und Abendlob"

Heinz-Walter Schmitz
Morgen- und Abendlob zum Beten und Singen
Ein neues liturgisches Buch zum Stundengebet

Das Stundengebet ist lebendig! Wie lebendig, zeigt die wachsende Zahl von Initiativen, die das Stundengebet als zeitgemäße liturgische Form für jeden Tag neu praktizieren, und das oft im kleinen Kontext von Ortsgemeinde oder Gebetsgruppe. Wer die Liturgie der Tagzeiten für sich entdeckt hat, kann sich jetzt auf ein neues liturgisches Buch stützen, das Heinz-Walter Schmitz, ehemals Domkantor, später Kirchenmusikdirektor im Bistum Passau, im Herder-Verlag herausgebracht hat. Morgen und Abend als die seit jeher liturgisch bedeutendsten Tageszeiten stehen im Vordergrund, doch auch für ein Innehalten während des Tages findet sich eine knappe Anregung.
Im Hauptteil folgt das Buch dem Vierwochenpsalter der liturgia horarum, der nach dem Vaticanum II erneuerten römischen Stundenliturgie. Bei Psalmwiederholungen hat der Herausgeber Mut bewiesen und auch auf andere Psalmen zurückgegriffen, ebenso bei den sogenannten geprägten Zeiten, also dem Weihnachts- und Osterfestkreis, die liturgisch dem Jahreskreis gegenüber traditionell eigenständig sind. So entsteht ein, was die Psalmen angeht, vielseitiges Vademecum, angereichert durch ansprechende Hymnentexte etwa von Silja Walter oder Bernardin Schellenberger. Das größte Plus: noch ehe ein offizielles liturgisches Buch mit der Einheitsübersetzung von 2016 erschienen ist, stützt sich dieser Band konsequent auf den revidierten Bibeltext. Erstmals lassen sich also mit seiner Hilfe die deutlich redigierten und dadurch Urtext-näheren Psalmen im gesungenen Vollzug erleben – dank der bewährten Psalmtöne des Gotteslobs von 2013 mit etwas Übung auch für Einsteiger. Die Antiphonen sind kurz und schlicht gehalten, sodass sie sich fast auch für die responsoriale Ausführung eignen. Dabei trägt ein Kantor die Psalmverse vor, während Alle nach jedem Vers das Responsum (in diesem Fall die Antiphon) wiederholen.
Gewöhnungsbedürftig für alle, die die Antiphonen zu den evangelischen Cantica als Meditationsimpuls für den Tag, das Fest oder die Jahreszeit im Kirchenjahr schätzen: Benedictus und Magnificat erscheinen ohne Antiphon, nur mit einem Psalmodiemodell, und sollen so in ihrer ganz eigenen Kraft zur Geltung kommen. Da mag manch eine(r) auf das Gotteslob oder gar das Antiphonale zum Stundengebet zurückgreifen wollen; auch der Ersatz durch eines der bekannten Magnificat- bzw. Benedictus-Lieder liegt nahe. Dennoch lohnt es, sich diesen großen neutestamentlichen Lobpsalmen auch in dieser reinen Form zu stellen.
Wer Stundengebet in einer schlichten zugänglichen Form praktizieren möchte, kann in diesem Band eine taugliche Hilfe finden.

Heinz-Walter Schmitz, Morgen- und Abendlob zum Beten und Singen, Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2017, 1019 Seiten, ISBN 978-3-451-32969-2, 75 € (D), 77,10 € (A).

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