1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

 

Wenn quer durch die Gesellschaft gezeigt wird, wie vielfältig jüdisches Leben ist, wenn Juden nicht länger als fremd empfunden werden, dann können wir erreichen, dass manches Vorurteil über Juden endlich ein für alle Mal verschwindet.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

 

Umlaufende Steintreppe, die zu einem unterirdischen jüdischen Ritualbad (Mikwe) hinabführtBlick in die mittelalterliche Mikwe. © Michael van den Bogaard / Stadt Köln

 

Am 11. Dezember 321 bestimmt der römische Kaiser Konstantin in einem Edikt, dass Juden in der Kurie, der Stadtverwaltung Kölns, städtische Ämter bekleiden dürfen und sollen. Dieses Edikt belegt, dass jüdische Gemeinden seit der Spätantike integraler Bestandteil der europäischen Kultur sind.

 

Blick durch die Heckmann-Höfe auf die Kuppel der Neuen Synagoge Oranienburger Straße, Berlin-MitteHeckmann-Höfe und Kuppel der Neuen Synagoge, Berlin-Mitte · © JBUphus

Um die bedeutenden geschichtlichen Einflüsse des Judentums und die vielfältige Präsenz jüdischer Bürgerinnen und Bürger in der heutigen Gesellschaft zu würdigen, wird 2021 als Gedenkjahr begangen. Angesichts der Schoa, aber auch der vielen Übergriffe auf Juden im Lauf der Geschichte und Gegenwart wird kein Jubiläum gefeiert. Dass es aber Ziel der vielen unterschiedlichen Veranstaltungen ist, auf ein gutes Miteinander von Juden und Nichtjuden in Deutschland hinzuwirken, kam in den verschiedenen Redebeiträgen zur Eröffnung des Gedenkjahres zum Ausdruck.

Neben der Zuversicht, die Zentralratspräsident Josef Schuster beim Festakt am 21. Februar 2021 in der Kölner Synagoge formulierte, betonte auch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, Schirmherr des Festjahres, die „Erinnerung an 1.700 Jahre wechselvoller gemeinsamer Geschichte lehrt uns: Die Bundesrepublik Deutschland ist nur vollkommen bei sich, wenn Juden sich hier vollkommen zu Hause fühlen. Das zu gewährleisten, das ist Auftrag aus 1.700 Jahren Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland!“

  • Auf der Website 2021jlid.de werden Informationen zum Gedenkjahr und seinen vielen bundesweit stattfindenden Veranstaltungen gebündelt.
Kartenausschnitt Jewish Places Mikwe Köln

Köln als Ort der Ersterwähnung jüdischer Bevölkerung spielt im Gedenkjahr eine bedeutende Rolle, nicht nur weil jüdisches Leben in Deutschland hier auch heute eines seiner wichtigsten Zentren hat. Nein, auch das Museum im archäologischen Quartier (MiQua), das sich über der Mikwe, dem Ritualbad im mittelalterlichen jüdischen Viertel unmittelbar am Rathaus, erheben wird, trägt wesentlich zum Gedenkjahr bei. Obwohl zurzeit noch im Bau, zeigt es dank Website und Weblog schon heute die tiefe Verflechtung der jüdischen mit der nichtjüdischen Bevölkerung Kölns durch die Epochen der Geschichte auf.

  • Last but not least sei auf die Internetplattform Jewish Places aufmerksam gemacht, auf der Sie interaktiv Orte beitragen können, an denen in Ihrer Umgebung jüdisches Leben stattfindet oder bezeugt ist. Schauen Sie einmal hinein – Sie werden erstaunt sein, wo Sie dem Judentum heute begegnen und Spuren früherer jüdischer Anwesenheit entdecken können.


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