Aktuelles


Auf dieser Seite finden Sie neben aktuellen Terminen und Informationen auch Hinweise auf beachtenswerte Publikationen. Weitere Seiten mit Bezug zum laufenden Monat: der Inhalt der aktuellen Ausgabe und ein liturgischer Kalender für das deutsche Sprachgebiet mit einer ganzjährigen Namenstagsübersicht.
 

Gebetsanliegen des Papstes
 



Gebetsanliegen für Mai 2022

Beten wir für alle jungen Menschen, die ja zu einem Leben in Fülle berufen sind;
– am Beispiel Marias mögen sie Hören lernen, gutes Unterscheiden, Mut zum Glauben und Bereitschaft zum Dienen.

Weitere Informationen zum monatlichen Gebetsanliegen sowie geistliche Kurzimpulse für jeden Tag finden Sie auf den Internetseiten des Weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes.

Monatlich wird vom Vatikan ein zentrales Gebetsanliegen veröffentlicht, das der Heilige Vater allen Glaubenden ans Herz legt. Eine Möglichkeit, sich mit dem Papst im aktuellen Gebet zu verbinden, bietet ferner die Dokumentation von Audienzen und Angelusgebeten auf den Seiten der vatikanischen Informationsdienste – dort lässt sich nachverfolgen, in welchen aktuellen Anliegen Papst Franziskus gebetet hat.

 

Ökumenischer Fürbittkalender
 

Diese Woche beten wir für



In Gottes Händen
Glaubende weltweit beten füreinander

„Das Gebet ist das Herzstück der ökumenischen Bewegung“, heißt es auf den Internetseiten des Ökumenischen Rates der Kirchen zum Ökumenischen Fürbittkalender. „Jesus hat darum gebetet, dass wir eins sein mögen, geeint in Gott im Geheimnis der Dreieinigkeit. Dies ist die Grundlage und das Ziel unseres Strebens nach Einheit.“

Weil der Anfang dieser Einheit im Gebet liegt, ja, weil das Gebet füreinander diese Einheit im Anfang schon ist, lädt der Ökumenische Fürbittkalender ein, im Jahreslauf aller Gegenden der Erde zu gedenken. Sich im Gebet mit Glaubenden in aller Welt zu verbinden, das heißt, einander Gottes Hand anzuvertrauen. Es heißt auch, Bewusstsein füreinander zu entwickeln. Sehen zu lernen, in welcher Lage sich andere Menschen befinden und was sie uns zu sagen und mitzugeben haben.

Wenn Sie im Fenster „Diese Woche beten wir für…“ auf die Ländernamen klicken (am besten mit Rechtsklick einen neuen Tab öffnen), werden Sie zur Webpräsenz des Weltkirchenrats – www.oikoumene.org – weitergeleitet. Auf der entsprechenden Seite finden Sie Anregungen für Ihr fürbittendes Gebet, die auf die betreffende Erdregion zugeschnitten sind.

Den Anregungen zugrunde liegt der ökumenische Fürbittkalender In Gottes Hand. Gemeinsam beten für die Welt. Gebete aus der weltweiten Ökumene / in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Aus dem Englischen übersetzt von Friederike Gralle, Frankfurt/Main: Lembeck, Paderborn: Bonifatius 2008.

 

Termine

 

Dunkelheit. Rechts im Vordergrund ein brennender Papierhaufen, links davon und dahinter Menschen, teils in Uniform, viele zeigen den HitlergrußBücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz, 10. Mai 1933 · Foto: Georg Pahl · Quelle: Bundesarchiv/Wikipedia · CC BY-SA 3.0 de

Links interaktive Karte, rechts Textfeld mit Erläuterungen – Online-Atlas Verbrannte OrteDer interaktive Online-Atlas des Projekts Verbrannte Orte (Screenshot)

Vor 89 Jahren
Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten
Verbrannte Orte e.V. bündelt Erinnerungen

Am 10. Mai 1933 brannten in über 25 Universitätsstädten die Bücher verfolgter Autorinnen und Autoren.

Insgesamt kam es 1933 zu über 160 Bücherverbrennungen durch unterschiedliche nationalsozialistische Akteure. Nur an wenigen der 160 Plätze gibt es heute eine dauerhafte Erinnerung vor Ort.

Die Bücherverbrennungen zeigten schon kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wohin der Weg im Umgang mit Andersdenkenden gehen sollte.

In einigen Orten wird seid Jahren durch öffentliche Lesungen an die verfolgten Autorinnen und Autoren erinnert. Andere Orte sind mittlerweile vollständig in Vergessenheit geraten.

Der Verein Verbrannte Orte e.V. verfolgt seit bald 10 Jahren das Ziel, an diese Orte zu erinnern. Im Onlineatlas des Projektes sind alle bekannten Orte dokumentiert, mit Quellen versehen und teilweise durch Hintergrundtexte und historische Materialien ergänzt. Der Onlineatlas bietet die umfassendste und vollständigste Informationsquelle zum Ausmaß der Bücherverbrennungen; die Arbeit des Projektes lässt sich auf einer separaten Blogseite verfolgen.

„Die Tatsache, dass es an kaum einem der Orte der Bücherverbrennungen Gedenktafeln oder andere Hinweise gibt, und meine Leidenschaft für Bücher von einigen Autoren, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, brachten mich zu dem Entschluss, ein fotografisches Projekt zu entwickeln. Ich wollte diese Orte dokumentieren und wissen, wie es heute dort aussieht. Für mich stellte sich die Frage: Betrachten wir die Plätze anders, wenn wir um deren Geschichte wissen?“
Jan Schenck, Initiator des Projekts Verbrannte Orte

Der Verein stellt vielfältige Angebote zur Erinnerungsarbeit zur Verfügung. Darüber hinaus beteiligt er sich an bundesweiten Aktionen wie der „Woche der Meinungsfreheit“.

Johannes Bernhard Uphus

 

Plakat Katholikentag Stuttgart: leben teilen.

25.–29. Mai
leben teilen
102. Deutscher Katholikentag in Stuttgart

Nach 1925 und 1964 findet Ende Mai zum dritten Mal der Katholikentag in Stuttgart statt. Unter dem Leitwort „leben teilen“ werden zehntausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet, sofern es die Coronasituation zulässt. Das Motto greift nach den Worten des Katholikentags die globalen Herausforderungen auf, die auch durch die Pandemie noch einmal sichtbar gemacht worden seien. „Teilen bedeutet mehr als abgeben, vor allem in unserer von sozialen Medien geprägten Wirklichkeit“, heißt es in der Ankündigung des Treffens. Es gehe auch um den politisch-gesellschaftlichen Gestaltungsauftrag des christlichen Glaubens. Die Verantwortlichen wollen sich mit ihrem Programm gegen alle gesellschaftlichen und politischen Partikularisierungs-, Spaltungs- und Abgrenzungstendenzen stellen.

Umfangreiches Programm

Das Programm des 102. Katholikentags ist vielfältig und soll das Motto in unterschiedlicher Art und Weise aufgreifen. Gottesdienste, Diskussionen, Workshops, Mitmachangebote: mehr als 1.000 Veranstaltungen sind geplant. In der Innenstadt bieten die Stuttgarter Kultureinrichtungen ein vielfältiges Begleitprogramm, vom Chorauftritt bis zum Großkonzert, von der Kunstausstellung bis zur Tanzperformance. Zudem präsentieren auf mehreren Bühnen Verbände, Laienräte, Hilfswerke, Diözesen, Orden und ökumenische Organisationen ihre Arbeit.

Weltoffenes Stuttgart

Die baden-württembergische Hauptstadt gilt landläufig gerne als Metropole schwäbischer Tugenden wie Fleiß und Sparsamkeit. Doch bietet Stuttgart mehr als schwäbische Idylle. In der Großstadt mit rund 610.000 Einwohnerinnen und Einwohnern leben Menschen aus 185 Nationen. Der Anteil der Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund liegt bei rund 44 Prozent, unter den Jugendlichen hat sogar jeder zweite ausländische Wurzeln. Damit gehört Stuttgart zu den Städten mit dem größten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dies hat auch die kirchliche Landschaft und das Wirken und Zusammenleben der Christinnen und Christen sowie der Kirchen verändert. Ökumene und interreligiöser Dialog, interkulturelle Sensibilität und der Blick für und in die Welt gehören zum Alltag. Aber eben auch die Tendenz, dass der Anteil der Christinnen und Christen stetig sinkt.

Ökumene als Schwerpunkt

Sicherlich mehr als genug Gesprächsstoff für den Katholikentag, von dem sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart wichtige Impulse erhofft. „Als inhaltliche Schwerpunkte des Programmes haben wir die Ökumene und die Weltkirche, also die Entwicklungszusammenarbeit mit jenen Ländern gesetzt, denen es nicht so gut geht wie uns“, sagte der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst bei der Vorstellung der Programmschwerpunkte. Nach Worten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) soll der Katholikentag in Stuttgart „so ökumenisch wie keiner zuvor“ in der bisherigen Geschichte sein. Stuttgart will sich nach den Worten auch als „Welthauptstadt der Bibel“ präsentieren. Schließlich sind dort das katholische und das evangelische Bibelwerk, ein Bibelmuseum und der ökumenische Veranstalter Biblische Reisen ansässig.

Teilen als Aufgabe

Das Leitwort „leben teilen“ knüpft bewusst an den Patron des Bistums Rottenburg-Stuttgart an: den heiligen Martin von Tours (316/317–397). Er gehört zu den beliebtesten Heiligen und gilt aufgrund der Legende um seinen mit einem frierenden Bettler geteilten Mantel als leuchtendes Beispiel für christliche Barmherzigkeit. „Das Motto des Katholikentages 2022 passt optimal zu unserer Diözese mit dem Heiligen Martin als Patron. Für uns Christen ist das Teilen gelebte Nächstenliebe – die vor der eigenen Haustür beginnt und sich über die ganze Erde erstreckt“, so Bischof Fürst. Mit gut 1,8 Millionen Katholikinnen und Katholiken zählt die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu den größten in Deutschland, Bischof Fürst war lange Zeit Geistlicher Assistent des ZdK. Informationen zum Programm, auch über die aktuellen Bedingungen und Hygienemaßnahmen sind unter www.katholikentag.de zu finden. Weitere Informationen geben auch die Social-Media-Kanäle des Katholikentags bei Twitter, Instagram und facebook – unter den hashtags #katholikentag #lebenteilen.

Marc Witzenbacher

 

Innenraum der Stuttgarter Schlosskirche im Stil der RenaissanceDie Schlosskirche im Alten Schloss, Stuttgart · Foto: Marek Sliwecki, Quelle: Wikipedia CC BY-SA 3.0

Beim Stuttgarter Katholikentag
Ökumenisches Stundengebet in der Schlosskirche

An einem besonderen Ort lädt das Ökumenische Stundengebet von Do 26. bis Sa 28. Mai in Stuttgart zum gemeinsamen Feiern der Tagzeitengottesdienste ein: in der ganz im Renaissance-Stil gehaltenen Schlosskirche im Alten Schloss, zentral am Schillerplatz gegenüber vom Schiller-Denkmal und der Stiftskirche gelegen.

Der Stundengebetszyklus beginnt mit dem Nachtgebet an Christi Himmelfahrt.

Fr, Sa12.30 UhrGebet am Mittag
Fr, Sa18 UhrGebet am Abend
Do, Fr, Sa22 UhrGebet zur Nacht

Schlosskirche, Schillerplatz 6 · U Charlottenplatz

 

Neben den Gebetszeiten findet am Samstagnachmittag ein Workshop zur liturgischen Praxis statt:

Sa 14.00–15.30
Gottesdienste | Liturgiewerkstatt
Psalmen-Singen leicht gemacht
Einfachste Melodie-Modelle für Stundengebete

Mädchengymnasium St. Agnes, Turnhallenbau, 3. OG, Kapelle, Gymnasiumstr. 45

U Berliner Platz (Hohe Straße) · S/U Stadtmitte

Referent: Axel Simon, Referent für Kirchenmusik, Deutsches Liturgisches Institut, Trier

Johannes Bernhard Uphus

 

 

Informationen

 

Überdachter Zuschauerraum im großen Freiluft-Passionstheater Oberammergau, in der Bildmitte die Bühne mit Chor, im Hintergrund bewaldete HügelPassionstheater Oberammergau · © Passionsspiele Oberammergau 2022, Foto: Kienberger

Passionsspiele in Oberammergau

Zum 42. Mal finden vom 14. Mai 2022 an die Oberammergauer Passionsspiele statt. Ursprünglich waren sie für das Jahr 2020 geplant. Seit fast 400 Jahren werden die Spiele alle zehn Jahre von den Bürgerinnen und Bürgern Oberammergaus aufgeführt. Die Passionsspiele gehen auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück. Damals versprachen die Oberammergauerinnen und Oberammergauer, alle zehn Jahre das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterben sollte. Dieses Gelübde wollen die Oberammergauer weiterhin erfüllen. Bis zum 2. Oktober 2022 sind 103 Vorstellungen geplant, zu denen in der größten überdachten Freiluftbühne der Welt mit rund 4.500 Sitzplätzen bis zu 450.000 Gäste erwartet werden.

Nicht die erste Verschiebung

2020 hatte das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen nach langem Ringen schließlich die Spiele untersagt. So entschlossen sich die Verantwortlichen um den Spielleiter Christian Stückl dazu, die Spiele auf das Jahr 2022 zu verschieben. Es ist nicht das erste Mal, dass die Spiele verlegt werden mussten. 1770 konnten die Passionsspiele aufgrund eines Generalverbotes gar nicht stattfinden, 1940 verhinderte der Zweite Weltkrieg eine Aufführung. Für die Passionsspiele im Jahr 1920 beschloss der Oberammergauer Gemeinderat, die Vorbereitungen für die Passion angesichts der hohen Zahl an Gefallenen des Ersten Weltkrieges nicht weiterzuführen, die Passionsspiele wurden 1922 nachgeholt.

Reform der Passionsspiele

Immer wieder wurden die Passionsspiele für ihren christlichen Antijudaismus kritisiert. Regisseur Christian Stückl, der 1990 die Leitung der Passionsspiele übernommen hatte, wollte dies ändern und setzte einen Prozess in Gang, die Passionsspiele zu reformieren. Stückl beschäftigte sich bereits in vielen seiner Inszenierungen mit dem Verhältnis der Religionen zueinander, er bezog klar Stellung gegen Antisemitismus und Rassismus und setzte sich für eine offene und plurale Gesellschaft ein. Dies wurde auch in seinen Inszenierungen der Passionsspiele sichtbar. Am 7. März 2021 wurde Stückl daher vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit der Buber-Rosenzweig-Medaille 2021 geehrt. Alle Informationen zu den Passionsspielen sowie zur Kartenbestellung sind unter www.passionsspiele-oberammergau.de zu finden.

Marc Witzenbacher

 

Screenshot Internetauftritt Vatikanische Museen

Virtueller Besuch im Vatikanischen Museum

Lange Zeit waren die Vatikanischen Museen wegen der Coronakrise geschlossen. Auch als sie wieder öffnen konnten, war es dennoch möglich, dass Besucher teilweise alleine durch die Gänge schlendern konnten, wo sich sonst die Menschenmassen durchdrängen. Doch nun haben die Vatikanischen Museen auch virtuelle Rundgänge bereitgestellt und können so auch online besucht werden.

Päpstliche Sammlungen

Mehr als 4.000 Skulpturen in Bronze, Stein oder Terrakotta wurden von den Päpsten im Lauf der Zeit gesammelt. Als Museen sind die Räumlichkeiten nun schon mehr als 500 Jahre im Einsatz. Am 14. Januar 1506 wurde Papst Julius II. berichtet, man habe auf dem Esquilin eine wunderbare Skulptur gefunden. Der kunstbesessene Papst schickte sofort einen Reiter in das Haus des Architekten Giuliano da Sagnallo und bat ihn, sich den Fund anzusehen. Michelangelo war zufällig auch gerade bei dem Architekten zu Besuch, sodass auch er sich auf den Weg machte. Sie hatten die berühmte Laokoon-Gruppe gefunden. Bis heute steht sie im Belvedere-Hof der Museen, wo die römische Marmor-Kopie einer ehemals aus Griechenland stammenden Bronze den Kampf des trojanischen Priesters Laokoon und seiner beiden Söhne gegen Seeschlangen darstellt. Immer mehr Besucher kamen angereist, um sich den Belvedere-Hof und die Skulptur anzusehen, die von einer nicht geringen Zahl weiterer Kunstwerke begleitet war. Mehr und mehr entwickelte sich so die antike Kunst als eigentlicher Schwerpunkt der Vatikanischen Museen.

Online durch das Museum

Auch wenn die Coronakrise einen Besuch in Rom und den Vatikanischen Museen nicht ermöglichen sollte, kann man sich einige Teile der Sammlungen nun auch online in virtuellen Rundgängen erschließen. Dabei sind die Gänge auch menschenleer und die Werke können aus unterschiedlichen Perspektiven angesehen werden. Die Rundgänge sind unter www.museivaticani.va auch auf Deutsch abrufbar. Mit der Zoomfunktion kommt man manchem Kunstwerk näher als wenn man im Museum präsent wäre.

Sammlung wächst stetig weiter

Die bedeutende Kunstsammlung der Päpste umspannt rund zwei Jahrtausende, denn nicht nur die Antike, sondern auch die moderne Kunst hat mittlerweile einen festen Platz in den Museen. Und die Sammlungen wachsen bis heute. Jüngst wurde das Werk „Golgota“ des brasilianischen Franziskanerbruders Sidival Fila in die Sammlung zeitgenössischer Kunst übernommen. Der Künstler, der dieses Werk 2019 auf der Biennale in Venedig ausgestellt hat, lebt in einem kleinen Konvent seines Ordens auf dem Palatin in Rom. Er arbeitet mit alten Stoffen aus Leinen, Seide oder Brokat und verarbeitet sie zu neuen Kunstwerken. Seine Kunst versteht er als Fortsetzung der franziskanischen Tradition, das Weggeworfene und Übriggebliebene einem neuen Nutzen zuzuführen. Insgesamt sind nun mehr als 50.000 Objekte aus zweitausend Jahren Kunstgeschichte in den Museen versammelt, die man entweder auf einem Fußmarsch von rund sieben Kilometern direkt in den Museen „erlaufen“, aber zum großen Teil nun auch bequem und hautnah online von zuhause aus erleben kann.

Marc Witzenbacher

 

 

Medienempfehlungen

 

Buchcover "Lebensfroh trotz schwieriger Kindheit", Blüte, Pastellfarben

Begegnung mit dem „Inneren Kind“

Wie kann es gelingen, trotz traumatisierender Erfahrungen in den ersten Lebensjahren Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu fassen? In ihrem Buch „Lebensfroh trotz schwieriger Kindheit“ zeigt die Pädagogin und Beraterin Dorothee Döring Wege und Möglichkeiten auf, Wunden und Altlasten der Kindheit zu überwinden. Döring gibt dazu konkrete Ratschläge und erzählt ermutigende Lebensgeschichten wie die der jahrelang gefangen gehaltenen Natascha Kampusch oder von Mario Adorf, der aus bitterer Armut zum Weltstar wurde. Döring ist überzeugt, dass der Mut, sich selbst noch in fortgeschrittenem Alter dem „Inneren Kind“ zu stellen, Wege in ein freies und unbeschwertes Leben eröffnet und mit der eigenen Lebensgeschichte versöhnen kann.

Marc Witzenbacher

Dorothee Döring, Lebensfroh trotz schwieriger Kindheit, Verlag Butzon & Bercker Kevelaer 2021, 172 Seiten, 16,00 € (D); 16,50 € (A); ISBN 978-3-7666-2946-3

 

Buchcover mit Vollmond über hügeliger Waldlandschaft

Lyrische Mondblütenlese

„Nacht liegt auf den fremden Wegen, / Krankes Herz und müde Glieder; – / Ach, da fließt, wie stiller Segen, / Süßer Mond, dein Licht hernieder.“ Wenn Heinrich Heine so den Mondenschein besingt (116), mag das manch einem unvertraut sanft, ja fast religiös vorkommen. Gewiss, der Mond ist Inbegriff romantischer Sehnsucht. Man erwartet sie vielleicht weniger von einem Heine, eher von Goethe oder Eichendorff; Beispiele hat Ulrich Maske im hier zu besprechenden Bande reichlich zusammengestellt. Doch darin erschöpft sich keineswegs, was an Motiven mit dem Mond verbunden wird. Allein Christian Morgensterns humoristische Galgenlieder geben davon beredtes Zeugnis, etwa wenn „der Trabant“ ob seines göttlichen Auftrags, deutschen Lesern durch Ähnlichkeit zu a oder z sein Ab- oder Zunehmen anzuzeigen, „ein völlig deutscher Gegenstand“ geworden sei. Genial dazu die Illustration von Franziska Harvey: ein dicker und ein dünner Zeitungsleser, jeweils mit Zylinder, unter der zu- und der abnehmenden Mondsichel oben; zwischen beiden der Vollmond mit Nickelbrille (22–23). Doch auch groteske und düstere Mondgedichte kommen in dem edel ausgestatteten Band zu Wort, etwa von Erich Mühsam oder Georg Trakl. Neben manch eigenen versammelt der Herausgeber Werke von Dichterinnen und Dichtern wie Annette von Droste-Hülshoff bis Frank Wedekind, von Else Lasker-Schüler bis Rio Reiser – eine faszinierende Blütenlese mondaffiner Lyrik.

Johannes Bernhard Uphus

Ulrich Maske (Hg.), Franziska Harvey (Ill.), Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst. Gedichte aus fünf Jahrhunderten, in denen der Mond erscheint, Verlag GOYA, Hamburg 2021, 225 S., 25,00 € (D), ISBN 978-3-8337-3135-8

Dieses Buch ist bei GOYALiT auch als Hörbuch erhältlich, 3 CDs, 192:02 Minuten, 20,00 € (D), ISBN 978-3-8337-3134-1

 

Buchcover: ein Zweig mit drei Äpfeln, Stillleben

Zurück ins Paradies?

Es bleibt für viele angesichts der Schrecken in dieser Welt eine tiefe Sehnsucht, endlich wieder zurück ins Paradies zu kommen. Aber was ist das Paradies eigentlich? Die Bibel erzählt, wie Gott den Menschen in das Paradies setzte, damit er den Garten „bebaue und behüte“ (Gen 2, 15). Das Paradies ist also nach biblischem Verständnis keineswegs ein Lustgarten, wo der Mensch im Gras liegt und sich paradiesischen Duft um die Nase wehen lässt. In diesem Garten muss der Mensch für seine Nahrung arbeiten, die Pflanzen kultivieren und für die Tiere sorgen. Was heißt dann „zurück ins Paradies“? Besteht das ewige Leben im dauernden Gärtnern?

Heimholung ins Paradies

Mit dem Paradies und seiner Funktion in der Heilsgeschichte hat sich Klaus W. Hälbig, ehemaliger Studienleiter an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und ausgewiesener Mystikexperte, in seinem neuen Buch beschäftigt: „Die Heimholung ins Paradies. Jesu Fruchtbarkeit als neuer Adam und Ursprung der Kirche“. Wie schon in einigen vorherigen Werken zeigt Hälbig auch in diesem Buch ein ungemein vielfältiges und belesenes Netzwerk aus biblischen Befunden und Bezügen der jüdischen und christlichen Mystik auf. Angelehnt an ein zehngliedriges System der jüdischen Mystik erläutert Hälbig in zehn Kapiteln eine Heilsgeschichte des Paradieses. Gottes ewige Liebe habe von Anfang an das ewige Leben für den Menschen („Baum des Lebens“) in Angleichung an seinen ewigen Sohn gewollt. Jedoch habe der Mensch im sognannten „Sündenfall“ im Paradies statt Gottes Segen den Fluch gewählt, statt der Fülle des Lebens den Mangel und den Tod, statt der Gottähnlichkeit („Bild Gottes“) die Ähnlichkeit mit der Natur und den Tieren.

Jesus als neuer Adam

Um dem Menschen wieder die ursprüngliche Perspektive zu eröffnen, habe Jesus als neuer Adam am „grünen Holz“ des Kreuzes diese Verkehrung wieder umgekehrt und so dem Menschen die Rückkehr in das verlorene Paradies eröffnet. Hälbig erläutert dabei die Rolle und Aufgabe der Kirche als Vorhof des Paradieses, ohne die aktuellen Probleme auszublenden, im Gegenteil. Der Verweis auf die eigentliche Funktion der Kirche im Heilsplan macht deutlich, wo ihre Hauptaufgaben liegen sollten und wie schwerwiegend die Verfehlungen im Raum der Kirche sind. Die Stärke des Buchs liegt in der Fülle der Symbolik, die Hälbig seinen Leserinnen und Lesern erschließt. So wird deutlich, welch tiefe Bedeutungen beispielsweise Zahlen in der Bibel besitzen. Es ist manchmal fast erschlagend, welche vielfältigen Bezüge zwischen dem Alten und dem Neuen Testament Hälbig aufzuzeigen vermag und wie sich Grundlagen der jüdischen Mystik in der christlichen Deutung wiederfinden. Hälbigs Werk liest sich bestimmt nicht in einem Rutsch, aber wer tiefer in die Bibel und ihre Symbolik sowie die Mystik eintauchen will, für den ist Hälbigs Buch ein wunderbarer Reiseführer.

Marc Witzenbacher

Klaus W. Hälbig, Die Heimholung ins Paradies. Jesu Fruchtbarkeit als neuer Adam und Ursprung der Kirche, EOS Verlag, St. Ottilien 2021, 527 S., 29,95 € (D), ISBN 978-3-8306-8068-0

 

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